Geschichten aus Eorzea: Ein eorzäisches Weihnachtsmärchen

Freya summte leise eine festliche Melodie vor sich hin, während sie durch die Straßen Limsa Lominsas lief. Auf dem Kopf trug sie eine rote Mütze mit weißem Pelzbesatz. Die Mütze hatte eine lange Spitze und an deren Ende befanden sich ein paar Glöckchen, die fröhlich bei jeder ihrer Bewegungen klimperten. Freya war gerade dabei, die letzten Einkäufe für die Familie zu erledigen. Nicht die Geschenke, oh nein! Die hatte sie natürlich schon. Aber das Essen wollte noch besorgt und zubereitet werden. Das war auch der Grund, warum Leviathan auf der Couch im Wohnzimmer der Warmherzens auf sie wartete. Sie wollte nicht mit der Ente im Schlepptau zu einem Metzger gehen. Das empfand sie einfach als unpassend.
Sie wusste genau, was gerade im Wohnzimmer passierte, oder besser: Sie konnte es sich nur allzu gut vorstellen. Byrtdaeg war wahrscheinlich damit beschäftigt, den Baum zu schmücken – genau nach den Anweisungen ihrer Mutter. Er war halt der Einzige, der den Stern auf dem Baum platzieren konnte, ohne erst auf eine Leiter zu steigen.
Elah würde vermutlich mit ihrem Vater vor dem Kamin sitzen und die beiden dabei beobachten, während Rohdan sein Pfeifchen schmauchte.
Freya grinste. Unter dem Baum lagen schon die Weihnachtsgeschenke für ihre Eltern und ihre Freunde. Byrtdaeg sollte einen Pullover bekommen und Elah etwas Gil. Man wusste einfach nie, was sie sich wünschte. Für ihre Eltern hatte sie etwas Besonderes. Eine Art Gutscheinheft für alle möglichen Restaurants in Limsa, eine kulinarische Reise, wenn man so wollte.
Mit einem lauten klingeling drückte sie die Tür zur Metzgerei auf. Hinter der Theke stand ein Elezen mittleren Alters und musste unwillkürlich lächeln, als er die Glöckchen ihrer Mütze hörte.
„Was kann ich für sie tun?“
Freya zog einen Zettel aus ihrer Tasche und las dem Metzgermeister die Bestellung vor. Kurze Zeit darauf, betrat sie schwer bepackt wieder den Gehweg und ging langsam nach Hause. Kurz bevor sie Limsa verließ, sah sie eine kleine Familie am Wegesrand stehen. Sie sahen etwas zerlumpt aus, und machten keinen sehr glücklichen Eindruck. Und das zu Weihnachten! Freya konnte nicht anders, sie sprach die Leute an.

„Entschuldigung. Ist etwas passiert?“
Der Mann drehte sich um und sah sie an.
„Wir sind nicht aus der Gegend hier, Miss. Alles was wir bräuchten, wäre ein Dach über dem Kopf. Gibt es etwas Günstiges in Limsa Lominsa?“
Freya schaute neugierig das Trio an. Der Frau war die Situation anscheinend ziemlich peinlich, sie sah betreten zu Boden. Das Kind spielte mit einem Stock und schien Freya gar nicht wahrzunehmen.
Im Verlaufe des Gespräches stellte sich heraus, dass die kleine Familie eigentlich auf einem Hausboot lebte, dieses aber vor zwei Tagen gesunken war… mit all ihrer Habe an Bord.
Der Mann war Fischer, wie Freyas Vater, aber so war ihm seine Arbeitsgrundlage natürlich entzogen. Freya fackelte nicht lange. Sie lud die Familie ein, sie zu begleiten, und im Gegenzug trug der Fischer ihre schwere Taschen.
Natürlich machten die Warmherzens ihrem Namen alle Ehre. Der Name war eine große Verpflichtung für sie, und wann immer sie es konnten, kamen sie ihr nach.
So saßen am Abend drei Leute mehr unter dem Weihnachtsbaum, aber das machte niemandem etwas. Byrtdaeg schenkte seinen Pullover mit Einverständnis von Freya dem Fischer, dem er allerdings bis fast an die Knöchel reichte, was für großes Gelächter sorgte.
Elah überreichte ihre Gil – und noch etwas aus der eigenen Börse – als neues Startkapital der kleinen Familie und zuckte mit den Schultern. Auf See könne sie es eh nicht brauchen.
Die Familie war wie gerührt. Rohdan versprach, der Familie dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Von Fischer zu Fischer, wie er brummte.
Die Familie hätte an diesem Abend nicht glücklicher sein können. Ganz spät am Abend, kurz bevor er zu Neige ging, nahm die Frau Freya zur Seite.
„Warum macht ihr das für uns? Ihr kennt uns doch gar nicht?“
Freya schüttelte leicht den Kopf, und ließ die Glöckchen bimmeln.
„Frohe Weihnachten“, war alles was sie dazu sagte…

Martin
Über Martin 18 Artikel
Ich schreibe schon sehr lange verschiedene Geschichten, seit meiner frühen Kindheit um genau zu sein. Zu FFXIV gelangte ich damals per Zufall, da ich auf der Suche nach einem neuen MMOPRG war.

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