Geschichten aus Eorzea – Weihnachtsgeschichten!

Der Weihnachtsmarkt

Das kleine Mädchen mit dem rotvioletten Haar drückte den Dreispitz fest auf den Kopf und begutachtete sich von allen Seiten im Spiegel. Gut, so würde es gehen. Sie nickte energisch. Die dicke Winterjacke störte sie etwas, aber es war kalt, in der Winterzeit. Sie rannte in die Küche herunter, wo ihre Mutter gerade Stollen buk.
„Mama, ich bin dann auf dem Weihnachtsmarkt, ja?“
Sarah Warmherz drehte sich nicht um, sondern nickte nur und widmete sich weiter dem Kneten des Teiges.
„Komm nicht zu spät wieder, hörst du?“
„Ja, Mama, nur bis es dunkel wird.“
Freya hüpfte zur Tür hinaus und eilte in Richtung Limsa Lominsa. Am meisten störte sie, dass sie ihr Holzschwert nicht ziehen konnte, falls es brenzlig werden sollte. Es steckte im Gürtel der Hose und war so nicht erreichbar. Aber was sollte Weihnachten schon passieren?
Kurz darauf hatte Freya die Stadt erreicht und ging mit großen Augen über den Weihnachtsmarkt. Wo sollte sie bloß zuerst hin? Sie roch die leckeren heißen Maronen, sah die Zuckerwatte und hörte, wie jemand heißen Kinderpunsch anpries.
„Ohmanomanoman!“
So viele Möglichkeiten. Freya zog die rechte Hand aus der Jackentasche. Die Möglichkeiten waren allerdings begrenzt. Sie hatte genug Geld für zwei Sachen, das wusste sie. Danach wurde es eng. Noch während sie überlegte, nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Sie schaute nach rechts und sah gerade noch, wie ein kleiner Hyur eine Tüte gebrannte Mandeln aus einer Theke stibitzen wollte. Doch der Verkäufer bemerkte dies und begann zu schreien, während er versuchte, den Jungen zu fangen.
Der kleine Hyur ließ die Tüte los, und rannte in Richtung Hafen. Der Verkäufer rannte erst gar nicht hinterher, immerhin konnte er den Diebstahl verhindern. Freya allerdings rannte ebenfalls in Richtung Hafen und hinter einer Hütte fand sie den Jungen.
„Warum wolltest du denn klauen?“, fragte sie neugierig.
Der Hyur zuckte zusammen und wollte schon wieder wegrennen, aber eine Handbewegung von Freya ließ ihn innehalten.
„Ich hab halt so Hunger“, sagte er leise.
„Und meine Eltern haben kein Geld. Ich mag doch auch nur etwas Leckeres haben, einmal im Jahr.“
Wieder zog Freya die Hand aus der Jackentasche und starrte auf ihr Geld. Dann traf sie eine Entscheidung.
„Komm mit“, sagte sie.
Dann ging sie mit dem Hyur wieder zu dem Süßigkeitenstand. Als der Junge das bemerkte, wollte er wegrennen, doch Freya hielt seine Hand fest. Der Verkäufer sah die beiden argwöhnisch an.
„Hey, du bist doch…“, begann er.
„Wir hätten gerne zwei Mal gebrannte Mandeln, bitte,“ unterbrach Freya den Verkäufer und hielt ihm ihr Geld hin.
Der Verkäufer lächelte unsicher, tat aber, wie ihm geheißen. Mit den gut duftenden Tüten voller Mandeln zogen die beiden Kinder dann wieder über den Markt, bis sie sich auf eine Mauer setzten.
Der Hyur schaute Freya an.
„Wieso hast du das gemacht?“, fragte er zaghaft.
„Das ist doch ganz einfach,“ begann Freya, „ich habe das Geld, du hast keines. Und Hunger auf was Süßes hatten wir halt beide.“
Dann lächelte sie den Jungen an und knabberte genüsslich auf ihren Mandeln herum.
Der Junge schaute sie noch kurz verlegen an, dann öffnete er seine Tüte und begann ebenfalls seine Mandeln zu essen.
„Danke,“ mümmelte er zwischen zwei Bissen.
„Dafür nicht,“ entgegnete die kleine Freya Warmherz. „Etwas zu teilen ist das Schönste der Welt.“

Martin
Über Martin 18 Artikel
Ich schreibe schon sehr lange verschiedene Geschichten, seit meiner frühen Kindheit um genau zu sein. Zu FFXIV gelangte ich damals per Zufall, da ich auf der Suche nach einem neuen MMOPRG war.

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