Leseprobe zu „Die Abenteuer von Freya Warmherz – Der Mahlstrom“

Prolog

Ein alter Kutter fuhr bei strahlendem Sonnenschein über das ruhige Meer von Kanthorus. Am Ruder des Kutters stand ein etwas älterer Mann mit rotgrauem Haar. Eine Pfeife hing locker im Mundwinkel und er schaute konzentriert auf das Meer hinaus. Vor ihm, auf dem Deck des Kutters, eilte fleißig ein kleines Mädchen hin und her. Sie hatte langes und dickes rotviolettes Haar und oben auf dem Kopf thronte ein Dreispitz. An den Seiten des Dreispitzes waren zwei Löcher eingestanzt, damit die katzenartigen Ohren des Mädchens hindurch passten. Die Ohren zuckten fröhlich, während das Mädchen damit beschäftigt war das Deck aufzuräumen. „Freya!“, rief der Mann seine Tochter. „Ja, Papa?“ Freya hob den Blick und schaute ihren Vater an. Rohdan, so hieß der Mann, hatte genau wie seine Tochter katzenartige Ohren und auch denselben langen und buschigen Schwanz. Sein „Stert“ – wie der Schwanz der Parda allgemein genannt wurde – war rot, der von Freya war violett. „Pass bitte auf, dass du nicht ausrutschst!“ Freya nickte und ging nun etwas langsamer in ihren noch etwas zu großen pinken Gummistiefeln über das Deck des kleinen Kutters. Rohdan lächelte, denn insgeheim bewunderte er seine kleine achtjährige Tochter für den Enthusiasmus. Er selber war als Kind anders gewesen. Rohdan konnte der See damals nichts abgewinnen und übernahm als Erwachsener den kleinen familiären Fischereibetrieb seines Vaters eher zögerlich und nicht sonderlich begeistert. Er gewöhnte sich an den Beruf und mittlerweile machte er ihm sogar Spaß und erfüllte ihn, aber damals konnte er sich das nicht vorstellen. Umso mehr faszinierte ihn, dass seine Tochter Freya nichts mehr liebte als die See und die Arbeit auf dem Meer. Sehr früh schon hatte sie Rohdan gedrängt, sie doch bitte mal mit hinauszunehmen.

Die Frau von Rohdan und Freyas Mutter – Sarah – war zunächst dagegen, sie hatte zu viel Angst um ihre kleine Tochter. Schließlich aber setzten sich Freya und Rohdan durch und als Kompromiss fuhren die beiden zunächst mit einem Ruderboot etwas hinaus, immer in Sichtweite des Strandes, sodass Sarah ihren Mann und ihre Tochter jederzeit im Blick hatte. Irgendwann dann, nach vielen Fahrten im Ruderboot erlaubte Sarah ihrem Mann Rohdan, Freya mit auf den Kutter zu nehmen. Freya fand direkt Gefallen an diesen kleinen Fahrten und die erste Fahrt auf dem Kutter war ein echtes Erlebnis für sie. Sie half mit, wo sie konnte und so gut es ihr möglich war, und Rohdan staunte immer und immer wieder. Freya schien die Seefahrt im Blut zu haben. Sie erinnerte Rohdan erstaunlicherweise des Öfteren an seinen eigenen Vater, der auch immer dieses Funkeln in den Augen hatte, wenn die Sprache auf das Meer kam. Vielleicht stimmte die Legende ja, dass manche persönlichen Eigenschaften eine Generation übersprangen. Rohdan zog nachdenklich an seiner Pfeife und sah seiner Tochter beim Aufschießen der Taue zu. Freya stand breitbeinig an der Ladeluke und rollte die Taue zusammen. Ihr Gesicht strahlte eine gewisse Würde und Ernsthaftigkeit aus. Wie oft hatte sie ihren Stert um die Taille gewickelt, ein Verhalten, welches sehr untypisch für die Rasse der Parda war. Parda ließen ihren Schwanz oder Stert normal einfach am Körper herabhängen, obwohl er tatsächlich eine sehr muskulöse Extremität war. Allerdings konnte man sehr gut Emotionen am Stert des Besitzers ablesen. Zitterte die Spitze, war der Parda vermutlich nervös oder aufgeregt, peitschte er wild hin und her, war der Parda vermutlich aggressiv. Allerdings kannte Rohdan niemandem aus dem Volke der Parda, der seinen Stert um die eigene Taille wickelte. Freya machte das schon seit kurz nach ihrer Geburt und er wusste noch, wie Sarah und er an der Wiege von Freya gestanden und sich darüber gewundert hatten. Mit der Zeit wurde es zur Normalität, aber von Zeit und Zeit musste er doch noch darüber schmunzeln. So wie in diesem Moment.

Freya merkte davon nichts. Sie stand weiter breitbeinig an der Ladeluke und schoss die Taue auf. Ihre Zungenspitze blitzte aus dem rechten Mundwinkel, so konzentriert war sie. Freya freute sich immer, wenn es auf das Meer hinaus ging. Sie hatte das Gefühl, dass sie dort hingehörte. Diese Tage waren zwar immer anstrengend für das kleine Mädchen, aber es hielt sie nicht davon ab. Im Gegenteil. So verging der Tag und als die Sonne unterging, legte der Kutter wieder am hölzernen Pier an. Wie üblich trug Rohdan seine Tochter auf seinen Schultern bis zum Haus. Als er das erste Mal mit Freya vom Meer zurückkam, schlief sie dabei, doch mittlerweile war sie es gewöhnt und so saß sie aufrecht auf seinen Schultern und quiekte vor Vergnügen, als Rohdan wie ein Pferd schnaubte. „Hü!“, schrie sie dann immer und schwenkte wild den Dreispitz, den sie dafür von ihrem Kopf zog. Gemeinsam aßen die drei im Esszimmer zu Abend: Sarah, Rohdan und – natürlich immer noch mit dem Dreispitz auf dem Kopf – Freya. Während Rohdan still seine Suppe zu sich nahm, war Freya mit ausschweifenden Gesten und kräftiger Stimme damit beschäftigt, Sarah zu erzählen, was sie alles erlebt hatten. Sarah nickte und hörte lächelnd ihrer Tochter zu. Sie wusste, dass diese Tage für Freya die tollsten überhaupt waren und dass ihre Tochter einfach alles davon erzählen musste. Der Enthusiasmus ließ im Normalfall erst dann nach, wenn die kleine Parda müde wurde. Dann wurde Freya stiller und ab und zu klappten die Augen zu. So war es auch diesen Abend und Rohdan nahm Freya auf seine Arme und trug sie die Treppen hoch in ihr Zimmer. Er steckte Freya in ihr rosafarbenes Nachthemd und deckte sie bis zum Kinn mit der wollenen Decke zu. Der Dreispitz hing mittlerweile an seinem üblichen Platz, am Bettpfosten, der der Tür am nächsten war. Normalerweise küsste Rohdan Freya dann auf die Stirn und verließ leise das Zimmer.

Doch dieses Mal war es anders. Als der ältere Fischer an der Tür stand, hörte er eine leise Frage.

„Papa?“

Er drehte sich um und lächelte Freya liebevoll an.

„Ja? Was ist denn?“

„Papa, ich muss dir was sagen!“

Die Stimme Freyas war leise und klang müde, aber es war eine Dringlichkeit in der Stimme, die Rohdan wieder zum Bett seiner Tochter gehen ließ. Er setzte sich auf den Bettrand und schaute sie aufmerksam an. „Was ist? Hast du etwas angestellt?“ Freya grinste und trat unter der Decke leicht und spielerisch nach ihrem Vater. „Nein, manno! Ich will dir nur sagen, dass ich später unbedingt Kapitän werden will! Auf meinem ganz eigenen Schiff! Meinst du, das geht?“ Rohdan lachte leise auf. „Natürlich geht das. Du kannst alles werden, was du nur willst, Freya. Du bist eine ganz besondere kleine Parda und du wirst alles schaffen, was du dir nur vornimmst. Du wirst schon sehen. Deine Mutter und ich sind sehr stolz auf dich.“ Freya lächelte und schloss müde die Augen. „Danke, Papa. Gute Nacht.“ Rohdan nickte und küsste Freya noch mal auf die Stirn, woraufhin eines ihrer Ohren kurz zuckte.

Als er die Tür des Kinderzimmers hinter sich geschlossen hatte, befand sich Freya schon in ihrer Traumwelt und stand als Kapitän auf dem Achterdeck ihres eigenen Schiffes…

 

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Bilder und Text: © by Martin Heckt

 

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Franziska
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