Community Corner – Interview mit Thomas Kilian (Soulcatcher Photography)

In unserem Community Corner möchten wir euch Künstlerinnen und Künstler näher bringen, die durch ihre Werke herrausstechen und andere inspirieren. Egal, ob durch Bilder, Cosplay oder Poesie. Heute stellen wir euch Soulcatcher Photography vor – der Fotograf und Bildbearbeiter Thomas Kilian liebt das Düstere und Magische und setzt hebt Liebe in seinen wundervollen Bildern perfekt hervor! Seine Modelle bewegen sich hauptsächlich im Bereich Fantasy und Cosplay. Wir hatten die Ehre, ihn einige Fragen zu stellen!

Thomas Kilian – Soulcatcher Photography

CU: Wann hast du deine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt? Was waren deine ersten Motive?

Thomas: Ich fotografiere eigentlich schon ewig, aber zu Anfang waren das nur die üblichen Knipsereien im Urlaub und Freunde/Familie. Vor etwa 5 Jahren habe ich dann angefangen, mich tiefer mit der Materie zu beschäftigen und auch mal in Richtung People-Fotografie zu gehen. Mal den einen oder anderen Workshop gemacht. Vor 3 Jahren habe ich dann verstanden, wie Photoshop funktioniert und konnte dann endlich die Bilder erstellen, die ich schon immer im Kopf hatte. Als Gamer und Fan von Fantasy-, Horror und Science Fiction-Filmen war es dann irgendwie logisch, dass ich recht schnell bei Composings und dann auch bei Cosplay lande. Es macht einfach Spaß solche Welten zu kreieren. Dabei ist es mir aber auch immer wichtig, dass man das Cosplay noch als solches erkennen darf und das Model nicht „perfektioniert“. Sonst könnte man ja gleich einen Screenshot nehmen.

CU: Fotografie und Bildbearbeitung gehören heutzutage zusammen – was dauert im Durchschnitt länger?

Thomas: Bei der Art von Bildern, die ich mache, dauert die Bearbeitung schon länger, als das eigentliche Shooting, aber das kommt ja auch immer ein wenig drauf an, was man umsetzen möchte. Wenn man die Zeit rein rechnet, die Cosplayer oder auch andere Models in Ihre Outfits und Makeups stecken und wie lange es dann manchmal dauert, dies im Studio anzulegen, dann ziehen sich auch Shootings in die Länge. Gerade dann wenn man z.B. mit Bodypainting arbeitet. Dann vergehen da schon mal einige Stunden, bevor man da überhaupt die Kamera mal in die Hand nimmt. Und das Shooting eines Sets ist dann meistens auch recht schnell erledigt. Im Studio fällt dann aber auch die Suche nach einer Location und das Schleppen der Ausrüstung weg. Das macht einem die Sache schon einfacher.

CU: Was nutzt du, um die Bilder zu bearbeiten?

Thomas: Ich nutze fast ausschließlich Adobe Photoshop CC. Lightroom verwende ich inzwischen eigentlich nur noch zum Sichten der Bilder nach dem Shooting und für eine erste kleine Bearbeitung was die Grundparameter wie Weißabgleich, Helligkeit, Schärfe usw. angeht. Andere Programme wie Gimp oder Affinity Photo habe ich jetzt noch nicht ausprobiert, bin aber sicher, dass die auch sehr gut verwendet werden können. Es ist aber halt so, dass einem der Umstieg zu einem anderen Programm schon schwerfällt, wenn man sich bereits an eine Software gut gewöhnt hat. Und zu Photoshop gibt es dann halt auch noch die meisten Tutorials und Erweiterungen.

CU: Ein Fotoshooting besteht nicht nur aus Bildern knipsen, aber viele wissen nicht, was dazugehört – wie läuft ein Shooting (bei dir) normalerweise ab? Was wird im Vorfeld, währenddessen, danach besprochen?

Thomas: Zuerst einmal geht es natürlich um den Kontakt. Die meisten meiner Models lerne ich über Facebook oder Instagram kennen. Entweder werde ich angeschrieben oder ich schreibe die Models an. Ich schaue mir dann auch immer an, was sie bisher schon so gemacht haben, denn da kann man schon ein wenig erkennen, wie die Erfahrung beim Posing ist. Dann wird meistens erst mal über Messenger kurz geschrieben, was man sich denn so vorstellen könnte, welche Outfits vorhanden sind und in welche Richtung die fertigen Bilder gehen sollen. Da bin ich dann auch sehr offen für Vorschläge der Models, da ich keiner bin, der nur seine eigenen Ideen umsetzen möchte. Ich finde, dass muss immer ein Miteinander sein, denn meistens haben die Models – und Cosplayer insbesondere – schon sehr genaue Vorstellungen, welches Bild sie gerne hätten. Wichtig ist mir, dass am Schluss Bilder da sind, mit denen beide zufrieden sind. Ein Shooting selbst dauert bei mir zwischen 1 und 5 Stunden (in Ausnahmen auch noch länger), aber gerade bei den mehrstündigen Shootings macht man ja auch mehrere Outfitwechsel.

Bleiben wir beim Cosplay…. Wenn ich den Charakter kenne ist es natürlich einfacher, ansonsten suche ich mir im Internet Informationen, lese Wikipedia und Fanseiten und schau mit auf Youtube mal Videos an. Auch Pinterest nehme ich da gerne zu Hilfe du sammle Bilder für ein Mood-Board, also mögliche Vorlagen, die man dann beim Shooting mal anschaut und von denen man sich inspirieren lassen kann. Aber wirklich auch nur inspirieren, denn es sollte nicht so sein, dass man ein Fot einfach kopiert. Das wäre langweilig.

Dann das Shooting. Das Model hat bei mir im Studio eine Schminkecke und dann gebe ich ihr oder ihm so viel Zeit wie nötig, um sich fertig zu machen. In der Zeit quatschen wir meistens ein wenig über alles Mögliche und natürlich auch über den Charakter, den wir gleich fotografieren.

Ich stelle in der Zeit dann auch meistens schon das Licht fürs erste Set ein.

Das Shooting selbst ist dann eher unspektakulär, bei mir eigentlich fast immer vor einem grauen Papierhintergrund, aber ich nehme mir immer so viel Zeit, dass eigentlich alle Sachen umgesetzt werden können (und oft denke ich dann ein paar Stunden später trotzdem, dass wir die eine oder andere Pose noch hätten machen können). Ich erkläre immer wie das Lichtsetup wirkt, damit das Models auch weiß, wohin sie schauen muss, um nicht komplett im Schatten zu sein.

Zwischendurch zeige ich auch gerne mal ein Ergebnis auf dem Display der Kamera, damit das Model mal sieht, was wir gerade so machen. Aber nicht zu oft, denn das unterbricht auch immer irgendwie das Shooting und wenn man gerade gut im „Flow“ ist, sollte man das auch nutzen.

Nach dem Shooting, wenn ich dann wieder zu Hause bin, mache ich eine erste Sichtung der Bilder und lösche alle, die aus technischen Gründen nicht verwendbar sind (wenn z.B. der Blitz mal nicht ausgelöst hat). Dann lade ich alle restlichen Bilder auf die Internet-Seite von Picdrop.de hoch und schicke dem Model einen Link, damit sie aus all diesen Bildern ihre Favoriten aussucht. Und aus diesen wähle ich mir dann wieder die aus, die ich bearbeite. Das sind dann aus jedem Shooting normalerweise so 3-10 Stück. Das kann aber auch mal einige Monate dauern, bis alle fertig sind, da ich nicht mehrere Bilder vom gleichen Model hintereinander bearbeite. Das macht mir keinen Spaß und das merkt man dann auch an den Ergebnissen. Manchmal habe ich auch plötzlich nach einem Jahr mal wieder Lust etwas aus dem Shooting zu machen und das ist dann meistens eine schöne Überraschung für das Model. Wichtig ist aber, dass ich dies dem Model auch schon beim Shooting sage. Bei mir kann man leider nicht erwarten, schon 2 Wochen nach dem Shooting alle bearbeiteten Bilder zu haben. Da ist Ehrlichkeit wichtig und bisher hat das auch immer gut geklappt.

Mila Alexia Jaeger (as A2) & JailBait Cosplay (as 2B and 9S) von NieR:Automata

CU: Hast du Tipps für jene, die gerne mal vor der Kamera stehen würden, aber sehr schüchtern oder gar ängstlich sind? Wie gehst du persönlich mit solchen Modellen um?

Thomas: Ich würde vorschlagen mit einer guten Freundin/einem guten Freund zu üben. Dabei geht es erst mal nicht darum, dass dann tolle Fotos raus kommen, sondern eher mal zu lernen, wie es ist, wenn man vor der Kamera steht. Und dann mal in der Umgebung umschauen, ob es Fotografen gibt, zu denen ihr gehen möchtet. Aber nicht zu irgendeinem, sondern erst mal schauen, was für Fotos dort gemacht werden, ob der Stil Euch zusagt. Es bringt ja nichts, mit einem Cosplay zu einem Landschaftsfotografen zu gehen oder mit einem Horror-Bild zu einem Street- oder Fashion-Fotografen. Und ein kleiner Tipp noch am Rande…. Scheut Euch am Anfang nicht, auch mal ein paar Euro für ein Bild auszugeben. TfP muss für beide Seiten einen Mehrwert bringen und gerade wenn ihr am Anfang seid, ist es durchaus eine Option auch mal was zu zahlen, um tolle Bilder zu bekommen.

Gerade wenn ihr zu einem Fotografen geht, den ihr nicht kennt, dann fragt auf jeden Fall auch, ob ihr eine Begleitperson mitbringen könnt. Gerade auch, wenn ihr ängstlich oder unsicher seid. Kein Fotograf sollte Euch das abschlagen (und wenn doch… geht nicht hin!). Wichtig ist, dass die Begleitperson das Shooting nicht stört, aber ich bin eigentlich immer froh, wenn jemand dabei ist, denn die werden von mir gleich eingebunden und können mal das Licht umstellen oder die Kleidung werfen um Wind zu simulieren. Oder gerade bei Cosplayern noch ein weiteres Augenpaar zu haben, ob am Outfit noch alles richtig sitzt.

CU: Kannst du und etwas über dein bisher spannendstes/außergewöhnlichstes Shooting erzählen?

Da fallen mir auf Anhieb zwei Shootings ein…. Zum einen ein Bodyslime-Shooting, was schon mal was Außergewöhnliches war, denn das Zeug ermöglicht einem ganz tolle Bilder, die man nicht so oft sieht, ist aber auch eine Riesensauerei. Aber die Ergebnisse waren es wert. Zum anderen mein erster Besuch einer ganz speziellen Cosplay Convention in diesem Sommer in Polen – die Pixelmania. Das war dann nicht nur ein Shooting sondern gleich derer 16 in drei Tagen an besonderen Locations mit tollen Cosplayern und nicht zuletzt ein klasse Event, um alte Bekannte zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. 120 Fotografen, Videografen und Cosplayer auf einem Haufen, das ist schon eine besondere kreative Stimmung. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder dabei sein kann.

CU: Gibt es etwas, dass du sehr ungerne fotografierst?

Ich bin eigentlich offen für ziemlich alles, aber woran ich mich nicht ran trauen würde ist eine Hochzeit. Da wäre mir die Verantwortung zu groß. Denn das ist schließlich ein ganz besonderer Tag und auch wenn ich glaube, dass ich gute Bilder hinbekommen würde, wöllte ich mich dem Druck nicht aussetzen. Und lebende oder tote Tiere brauch ich auch nicht im Studio. On Location wäre das vielleicht wieder was anderes, aber im Studio muss es nicht sein. Da würden mir die Tiere leid tun.

CU: Viele deiner Motive sind Cosplays aus Spielen. Würdest du dich selbst als „Gamer“ bezeichnen?

Thomas: Ohja, ich bin Gamer seit über 30 Jahren. Begonnen hat alles mit einem Commodore C128D, danach kam ein Amiga 500 bevor es durch mehrere Generationen von PCs ging. Mit Konsolen habe ich erst spät angefangen. X-Box, PS2, PS3 und aktuell PS4. Ich spiele inzwischen aber nicht mehr so viel wie früher. Da die Fotografie doch das Hobby ist, das bei mir am meisten Zeit in Anspruch nimmt. Aber ich versuche schon immer auf dem Laufenden zu bleiben, damit ich keine Perle verpasse, denn da ich weniger spiele, wähle ich auch viel bewusster aus, für was ich den Controller in die Hand nehme.

CU: Was ist zurzeit dein Favorit aus der Videospiel-Branche?

Thomas: Zur Zeit spiele ich NieR:Automata, aber da ich schon so lange spiele, ist es natürlich gar nicht so einfach, einen Favoriten zu nennen. Meine Lieblingsreihe ist aber Silent Hill. Mit dem zweiten Teil hat es mich gepackt und ich habe bis auf die eine oder andere exotische Ausnahme alles gespielt, was es im Silent Hill Universum gibt. Und dann ist da natürlich noch die Soulsborne-Reihe, also Demon Souls, die Dark Souls Spiele und Bloodborne. Diese Herausforderungen zu meistern war schon was Besonderes.. Es gibt aber noch so viele andere Spiele, die ich nennen könnte. Tomb Raider, Assassins Creed, Half Life, Bioshock, Dishonered, System Shock, Thief….ich könnte das jetzt noch sehr lange fortsetzen. Und freuen tu ich mich aktuell auf Red Dead Redemption 2.

Bilder vom Final Fantasy XIV Cosplay Contest der Gamescom 2018:

CU: Du liebst das Düstere – wie passend, denn bald ist Halloween! Hast du an diesem Tag etwas besonderes vor?

Bisher nichts spezielles, aber Halloween ist mir im Vergleich zu Fasching (oder Karneval) auf jeden Fall lieber. Ich mag einfach Horror und Grusel und da ist Halloween natürlich was Besonderes. Ich wird auch wieder Süßigkeiten daheim haben, falls die Nachbarskinder klingeln. Aber die sollten dann auch im Kostüm kommen.

CU: Passend zu Halloween, noch eine Frage – dein absoluter Lieblings-Horrorfilm! Und gibt es ein Horror-Game, bei dem dir Angstpippi in die Hose tropfte?

Das ist einfach. Als Film „Hellraiser“ und beim Horrorgame wie schon erwähnt Silent Hill (und da die Teile 2 und 3). Richtig geängstigt habe ich mich bei SH2 beim ersten direkten Aufeinandertreffen mit Pyramid Head (den ich übrigens wirklich sehr gerne mal als Cosplay vor der Kamera hätte) und im Spiegelraum von SH3. Wer die Spiele kennt, weiß, welche Situationen ich meine. Letzens habe ich mal Layers of Fear gespielt, was auch sehr gruselig war und zudem auch ein tolles Artdesign hatte.

Wir bedanken uns recht herzlichst bei Thomas für das wundervolle Interview!

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Franziska
Über Franziska 395 Artikel
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