Review: The Adventrures of Elliot: The Millennium Tales
Vielen Dank an Square Enix & MSM.digital für das Bereitstellen der von uns genutzten Review-Version!
Wir haben dieses Spiel für PC (Steam) getestet.
Mal ganz unter uns Pastorentöchtern – ich werde dieses Jahr im September 31 Jahre alt. Japanische Rollenspiele konsumiere ich in etwa seit meinem fünften Lebensjahr, ein richtiges Verständnis ging dann auch erst im Grundschulalter los.
Warum eröffne ich dieses Review auf dieser persönlichen Note? Naja zum einen geht’s gleich um Zeitreisen, zum anderen bringe ich aber auch gute zwei Jahrzehnte Expertise mit und kann sagen, dass Adventures of Elliot ein passabler, sowie ehrlicher Ausflug in die 90er Jahre ist mit einem gesunden Hauch an Modernität. Damit wäre dieses Review kurzbündig abgeschlossen, jedoch erwartet meine Chefredaktion natürlich eine ausführliche Meinung zu meiner Erfahrung mit dem Spiel.
Die Geschichte
Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Abenteurers Elliot – über diesen ist nicht viel bekannt, abgesehen davon, dass er der Shit ist und irgendwann als Baby bei einem alten Baum gefunden wurde. Eines Tages wird er auf eine kurze Expedition geschickt, um neu entdeckte Ruinen zu erforschen. Nach ein wenig üblichen JRPG-Drama stellt sich heraus, dass diese alten Verließe ein Tor zu einer vergangenen Zeit Epoche beinhalten.
Ein früh etablierter Charakter – und nein, ich werde es nicht spoilern, denn ihr werdet das auch so schon direkt sehen – findet das ziemlich praktisch, um mal eben 1000 Jahre in die Vergangenheit zu springen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Elliot macht es sich dann schließlich zur Aufgabe, ihn aufzuhalten. Alles, was dann in etwa passiert, kann sich jeder denken, der auch nur zwei Nippon RPGs innerhalb der letzten 30 Jahre gespielt hat.
Lasst mich an dieser Stelle also direkt mal den größten Kritikpunkt wegräumen. Die Geschichte ist, wie für das Studio typisch, eher Papierdünn. Anstatt acht generischen Handlungen zu folgen, fokussiert sich das Spiel halt diesmal auf eine. Aber ich bin ja nicht einfach schrecklich fies, sondern ich muss auch sagen – Die Charaktere sind sympathisch, sie funktionieren für das, was sie sein wollen und ein paar der Nebengeschichten sind zumindest mit einem Hauch Tiefe verfasst.
Die Grafik
Und Tiefe… gibt es auch in der Tiefenschärfe des 2D-HD-Stils. Ha! Versteht ihr? Nein? Okay. Der 2D-HD Stil sieht weiterhin wirklich schön aus und entgegen meiner Erfahrung mit dem letzten Octopath Traveler wurden diesmal sogar ein paar Grautöne rausgenommen. Die Welt sieht durch aus bunter, farbenfroher und auch so ein bisschen abwechslungsreicher aus. Natürlich gibt es auch hier in erster Linie die typischen Schauplätze und die Monster gewinnen in ihren verschiedenen Farbpaletten auch keinen Designaward, doch das Spiel punktet optisch durchaus. Im Übrigen werte Entwickler – bereits auf dem SNES und Mega Drive dachte niemand, dass es sich um einen völlig neuen Gegner handelt, nur weil er blau, anstatt rot ist.
Mal Spaß beiseite – die Charakterdesigns sind wie immer sehr schön, ich mochte die Bossgegner und die Welt lädt zum Erkunden ein. Nun muss ich aber auch mal direkt auf ein schönes Gimmick – die Zeitreise. Wir reisen im Laufe der Handlung durch verschiedene Epochen und diese wirken sich optisch auf die Welt aus. Hier wird ein sehr schöner Wandel offeriert, und kreativ differenziert. Also alles in allem – das hier ist eine schöne Welt und zeigt mir: Der 2D-HD-Stil ist noch lange nicht langweilig.
Die Musik
Der Soundtrack ist toll – und ich höre mir die verschiedenen Klänge, wie auch Effekte, immer wieder gerne an. Schwerthiebe sind schön wuchtig, Bomben machen vernünftige Bombengeräusche und der Rest wird musikalisch sehr schön untermalt. In manchen Verliesen gab es ein paar Ausreißer, die mir weniger gut gefallen haben, das ist jedoch subjektiv und ich habe das hier sehr genossen.
Die Sprachausgabe ist üblicherweise auch sehr gut und hat ein paar richtig tolle Sprecher. Wir bekommen im Laufe des Spieles jedoch auch einen Begleiter, der einfach nicht den Mund halten kann. Das erinnert an die unschönen Seiten von Ocarina of Time und hat mir persönlich nicht gefallen. Ausschalten kann man das im Übrigen nicht, weswegen ich mich auch einfach damit abgefunden habe.
Das Spiel
Tendenziell habe ich in den letzten drei Absätzen Punkte erwähnt, die auch schon bei Octopath sehr ähnlich von mir verfasst wurden. Der Grund dafür liegt darin, dass die Handlung ähnlich unkonventionell ist, wie bisher, aber die guten Aspekte auch weiterhin gut bleiben.
Jetzt kommt aber eine ungewohnte Neuerung, die mir persönlich sehr gut gefallen hat und die öde Handlung völlig ausgeglichen hat. Wir haben hier kein rundenbasiertes Rollenspiel, dessen 300 Funktionen ich verinnerlichen darf, sondern Adventures of Elliot fährt die Legend of Zelda Schiene. Wir haben hier das uneheliche Kind aus Secret of Mana und Link’s Awakening bekommen.
Elliot wird aktiv gesteuert, darf hüpfen, schlägt in Echtzeit zu und wird auch vom guten alten Kistenschieben nicht verschont. Das schlüsseln wir jetzt mal Stück für Stück auf.
In erster Linie laufen wir Genretypisch von A nach B, reden mit allen möglichen Charakteren und treiben so die Handlung voran. In den Verließen, sowie der Oberwelt verdreschen wir die Monster dann jedoch höchstpersönlich. Wir finden Schätze, neue Verliese mit weiteren Schätzen und irgendwo passiert auch was mit der Handlung. Letztere ist aber irgendwo nebensächlich, denn es gibt hier sehr viel zu entdecken. Irgendwie aber auch nicht – lasst es mich erklären. Vermutlich wissen Zelda Fans bereits worauf ich hinaus will, den Rest hole ich jetzt aber auch ab – versprochen. Durch die Tatsache des Action-Adventure-Ansatzes wird irgendwo der RPG-Kern vernachlässigt. Es gibt natürlich auch kein Levelsystem, sondern man kann nur mehr Her… ich meine Lebenspunkte sammeln durch das Einsammeln von – nach wer hats gedacht?! – richtig – 4 Lebenssplittern. Was sind also die Schätze, die wir nahezu überall finden? Ganz genau – Lebenssplitter und Geld.
Aber es gibt noch mehr – wir können unsere insgesamt acht Waffen nicht nur verbessern, sondern diese mit Edelsteinen aufrüsten. Dadurch bekommen sie neue Fähigkeiten oder Wertebooster. Entsprechend finden wir auch ganz gerne mal eben diese – oder deren Währung, um diese manuell herzustellen. Das bringt dann doch ein bisschen Abwechslung rein und die Konfiguration ist insgesamt sehr schön. Es gibt also doch auch Sachen zu finden, die etwas kreativer sind als Lebensplitter, Gold und irgendeine Sonderwährung. Das motiviert durchaus dazu auf Entdeckungsreise zu gehen. Dann hat man sich mal eben noch die Schreine aus den beiden „neuen“ Zelda Spielen rausgesucht (Neu ist bei einem Spiel von 2017 auch gewagt). Hier erfüllt man verschiedene Herausforderungen, um Lebensplitter oder Geld zu bekommen.
Erkennt ihr das Muster? Ich will auch gar nicht so fies sein – die Formel ist kurzweilig und macht Spaß. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich das Spiel immer wieder gerne für 1-2 Stunden angeschmissen habe und dann tiefenentspannt gespielt habe. Adventures of Elliot verlangt nicht viel ab – es ist grundlegend auch sehr einfach und führt in regelmäßigen Abständen nette Gimmicks ein, wie beispielsweise ein Magiesystem mit eurer Begleitung. Diese kann man übrigens in einem Co-op Feature auch zu zweit nutzen – das erinnert so ein bisschen an den Multiplayer von Super Mario Galaxy, nur mit sinnvollerer Interaktion.
Was ich dann so ein bisschen nervig fand, ist das Backtracking – aber irgendwie ist das anders als man denkt. Wir reisen durch mehrere Epochen, das Layout der Karte ändert sich jedoch recht überschaubar. Die Entwickler waren irgendwo dann so smart, dass man so ein bisschen gezwungen ist einen anderen Weg zu gehen, um die Handlung voranzutreiben, es verhindert jedoch nicht, dass ihr viele Ort doppelt und dreifach in unterschiedlichen Designs sehen werdet. Das fällt jedoch eher geringfügig negativ auf.
Die Wertungen
Damit kommen wir dann zu den Wertungen.
Story:
Die Story bleibt leider die ganze Zeit über ziemlich oberflächlich. Wer jedoch Wert auf gut geschriebene Charaktere legt, kommt hier dank einiger stark ausgearbeiteter Figuren dennoch auf seine Kosten.
Garfik:
Die Grafik ist ein absoluter Hingucker. Alles wirkt unglaublich einladend, farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.
Musik:
Der Soundtrack ist vollgepackt mit richtig schönen Tracks, die sofort gute Laune machen.
Gameplay:
Das grundlegende Spielprinzip ist zwar äußerst simpel gehalten, überzeugt jedoch durch eine reibungslose und intuitive Mechanik. Einzig das monotone Verschieben von Kisten bremst den Spielfluss spürbar und entpuppt sich schnell als spaßbefreite Pflichtaufgabe.
Gesamtwertung
Auch wenn die Story etwas schwächelt, so handelt es sich bei The Adventrures of Elliot: The Millennium Tales um ein sehr schönes Action-Rollenspiel, somit geben wir hier in der Gesamtwertung:
Fazit
Kommen wir nun aber mal zum Ende – sonst komm ich ja nie ins Bett. Ich mag Adventures of Elliot. Es ist ein kurzweiliges nostalgisches Rollenspiel, dass euch bewusst an vergangene Tage erinnert. Auf die typischen Quality of Life-Features bin ich hier jetzt nicht eingegangen. Das Spiel lässt sich angenehm durchspielen, ohne das man je großartig gestresst ist. Es verlangt auch nur sehr selten eine wirklich taktische Tiefe. Aber wisst ihr was – in der heutigen Zeit ist das gut, wenn nicht alles ein epochales Event ist. Natürlich liebe ich auch sowas wie Pragmata, aber Adventures of Elliot zeigt mir – manchmal muss es auch nicht mehr sein und das ist dann auch wirklich genug. Aber bitte… Mehr Gegnerdesigns, weniger Farbpalettenaustausch und können wir im Jahr 2026 bitte endlich vom Kistenschieben und Schlüsselsuchen weg? Ich kann doch nicht der einzige auf diesem Planeten sein, der sich das wünscht.







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