
Review: SaGa Frontier 2 Remastered
Vielen Dank an Square Enix & MSM Digital für das Bereitstellen der von uns genutzten Review-Version!
Wir haben dieses Spiel für PC (Steam) getestet.
Da schaut man ganz entspannt eine Nintendo Direct und stellt sich die kuriosesten Ankündigungen vor, schon sitzt man eine Stunde später an einem Saga Frontier 2 Remastered Review. Was es damit auf sich hat und wieso ich gefühlt schon ewig lange auf diese Ankündigung, verrate ich mal wieder in einem viel zu langen Review mit viel zu viel Einblick in die Historie dieses klassischen PlayStation 1 jRPG Schmankerls.
Die Historie
Bevor ich nun aber mit dem „nerden“ anfange, setze ich erstmal etwas früher an – im Jahr 1998 wurde das Original ursprünglich im japanischen PlayStation Magazin angekündigt und versprach einen großen stilistischen Bruch zum Vorgängertitel. Während das erste Saga Frontier noch sehr triste und überraschend unkonventionell gealterte Grafiken für seinen Stil bot, setzte der Nachfolger auf einen malerisch gestalteten Hintergrund mit subjektiv hübscheren Pixelfiguren.
Wie dieser Stil entstand, beleuchte ich gerne ein paar Abschnitte weiter. Nun gibt es hier historisch auch gar nicht so viel zu erwähnen. Das Spiel erschien ohne größere nennenswerte Probleme ein knappes Jahr später auf der PlayStation 1 mitsamt DualShock und PocketStation Support, wovon letzterer aufgrund mangelnder Veröffentlichung im Westen gestrichen wurde – bis zum Remaster! Dig! Dig! Digger ist im Remaster ganz herkömmlich im Spiel integriert und lässt fleißige Digger nach Schätzen graben.
Maßgeblich für die saubere Entwicklung ist hier die Leitung von Akitoshi Kawazu, der das Gesicht der SaGa Reihe bildet. Nun sage ich direkt vorab, dass die SaGa Spiele vom direkten Final Fantasy Konkurrenten zu einer Budgetmaschine seitens Square Enix wurde und das bereits Anfang der 2000er. Nun muss man es Akitoshi Kawazu allerdings zugute halten, dass er aus seinem Budget das für sein Team bestmögliche herausholt und die Serie seit einigen Remastern und Remakes großen Aufschwung genießt.
Die Geschichte
So viel zur Entwicklungsgeschichte, doch worum geht es in SaGa Frontier 2 überhaupt? Wir verfolgen die Geschichten zweier Männer – Gustave XIII und Wil Knights. Die Handlung wird in einzelnen Kapiteln über viele Jahrzehnte erzählt. So erleben wir praktisch die Geburtsstunde beider Figuren bis hin zum vermeintlichen Ende. Gustave XIII ist der Thronfolger des Königs aus Finney, wird jedoch mitsamt seiner Mutter verbannt, da er keine magischen Kräfte besitzt und damit eine Abart im handlungsgebenden Land Sandail darstellt.
Auf der anderen Seite haben wir Will Knights – dieser gehört zu einer berühmten Familie von „Diggern“. Das beschreibt in etwa eine Art Abenteuer, der auf die Jagd nach Schätzen geht. Seine Eltern sind verstorben als er noch ein Kind war und er begibt sich auf die Reise, um deren Tod aufzuklären, aber auch in die Familienfußstapfen zu treten.
Diese Handlungen setzen die Basis für eine über Dekade andauernde Geschichte. Und was soll ich sagen? SaGa Frontier bietet eine interessante und für die Serie verhältnismäßig gute Erzählung. Während ich bei Romancing SaGa bereits die vielzähligen Nebenhandlungen schätzte, konnten mich hier beide Handlungen sehr positiv überzeugen – sowohl damals als auch nochmal etwas mehr heute. Aber Micha, warum denn etwas mehr?
Square Enix hat inzwischen bei einigen Remaster – die nicht ohnehin auf der Basis einer Internation/Definitive Edition funktionieren – den Dreh raus, sinnvolle Zusatzinhalte zu spendieren. In diesem Fall bekommen wir zusätzliche Geschichtshappen in Form von neuen Kapiteln. Diese fließen so gut in die Handlung ein, dass ich erst im Nachhinein einen guten Teil davon als „neu“ festmachen konnte. Das empfinde ich als sehr positiv und ich mag dieses Generationssystem sehr gerne.
Die Grafik
Nun habe ich eingangs ja bereits erwähnt, dass SaGa Frontier 2 einen stilistischen Bruch zu den SaGa Spielen wählte. Dafür wurden Künstler beauftragt, die per Canvas (Gewebe) verschiedene Gemälde erstellten. Diese wurden damals möglichst hochwertig gescannt und in das Spiel als begehbarer Hintergrund integriert. Das bedeutet auf leichterem Deutsch, dass das Spiel auf einer rieseigen Kunstlandschaft stattfindet, die darüber hinaus sehr vom germanischen Mittelalter beeinflusst ist. Das sieht malerisch wunderschön aus und man im Vergleich zum Vorgänger das Gefühl ein Märchenbuch zu lesen – zumindest so würde ich mir das vorstellen. Auch die Figuren selbst sind sehr pixelfein gezeichnet und funktionieren gut. Man hatte hier eindeutig ein Motiv verfolgt und das kann sich problemlos im Jahr 2025 sehen lassen. Bei den Gegnern wünschte ich mir natürlich etwas mehr Abwechslung, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. SaGa Frontier 2 ist ein sehr schönes Spiel und braucht sich nicht verstecken.
Die Musik
Klangtechnisch punktet SaGa Frontier 2 ebenfalls auf ganzer Linie. Die Musikstücke wissen alle zu überzeugen und bieten auch ein schönes Maß an Abwechslung. Von heiteren und fröhlichen Stadtklängen bis zu den atmosphärisch dichten Stücken in Dungeons ist alles dabei. Dass das dabei dann auch noch gut klingt, verdanken wir Masashi Hamauzu. Dieser war von 1996 bis ins Jahr 2010 bei Square Enix und lernte direkt von Nobuo Uematsu – bis dieser das Unternehmen im Jahr 2004 verließ. Im übrigen ist es auch der Komponist, der den gesamten Final Fantasy XIII Soundtrack komponierte. Ohne nun großartig abzuschweifen – die musikalische Untermalung ist wirklich gut und auch bei den Soundeffekten kann ich mich nicht beschweren. Außerdem ist es ein ehemaliges PlayStation 1 Spiel, dass ohne penetrante Schrittgeräusche auskommt – das ist immer ein Plus in meinem Bingobuch.
Das Gameplay
Etwas weniger Bingo habe ich allerdings beim spielerischen gerufen. Nachdem ich die innige Fanbase des Titels nun durch lobende Worte auf meine Seite gezogen haben, schaltet am besten ab – Quatsch, so schlimm wird es nicht. Um es vorweg zu greifen: SaGa Frontier ist ein wirklich tolles japanisches Rollenspiel mit ein paar „Abers“.
Die Handlung selbst stoßen wir aus einer Art Geschichtsbuch an. In einer Übersicht sehen wir die verschiedenen Kapitel, wann diese stattfinden, mit wem der beiden Hauptfiguren und als kleinen Bonus sehen wir noch ungefähr, was uns erwartet. Das ist sehr schön aufgemacht, nicht allzu komplex und leicht anwählbar. Die Kapitel selbst haben meist eine überschaubare Länge, die selten zu sehr über die Strenge schlägt. Das macht es übrigens großartig als Pendlerspiel. In den Kapiteln selbst bekommen wir verschiedene Aufgaben. Hier und da folgen wir einfach mal ein paar Zwischensequenzen, woanders geht es in einen Dungeon und dann gibt es noch die wohltuende Mischung aus beidem. Hier sei direkt gesagt, dass SaGa Frontier seinen Fokus auf die Erzählung legt – es wird wirklich viel gequatscht. Mir persönlich hat das nicht missfallen, wem anders kann das jedoch sauer aufstoßen. Bevor es beispielsweise zum ersten Kampf kommt in der Geschichte von Gustave, war ich gut und gerne erstmal 30 bis 40 Minuten damit beschäftigt seiner tragischen Kindheit und Jugend zu lauschen.
Und wie sind die Kämpfe dann? Nun – auf eine gewisse Art und Weise, wie in jedem SaGa Frontier. Jeder Charakter ist mit bis zu zwei Waffentypen ausgerüstet und kann den einen oder anderen Zauber lernen. Diese wählt man aus und nutzt diese im Kampf effektiv, um die Gegner auszuschalten. Mit dabei sind sämtliche Eigenheiten der Serie. So können starke Fähigkeiten nicht beliebig oft eingesetzt werden, Waffen können zu Bruch gehen und fällt der Charakter im Kampf, verliert er einen Lebenspunkt. Sind alle weg, ist die Figur verbraten und nicht mehr einsetzbar. Gegen das Opfern eines solchen Punktes, kann sich ein Spieler vollständig heilen – das ergänzt etwas die Komplexe und schafft „Risk and Reward“-Momente. Das Kampfsystem ist grundsätzlich sehr flott, geht leicht von der Hand und erfüllt seinen Zweck. Gerade spätere Kämpfe – oder auch die neuen Bosskämpfe des Remasters – fordern den Spieler vor dem Bildschirm durchaus.
Das ist insgesamt eine von drei Arten zu kämpfen. Eine neue Variante ist das Duell – vielen Dank an Suikoden an dieser Stelle – dabei kann man sich entscheiden welcher Charakter ins Getümmel geworfen wird. Nun kann man eine Verkettung von Befehlen ausführen, die in neuen Fähigkeiten und Kombiangriffen münden kann. Ich will an dieser Stelle absolut ehrlich sein – ich weiß bis heute nicht, ob irgendwelche Kombis tatsächlich einen Unterschied machen, geschweige denn welche Kombinationen schlüssig das Erlernen von neuen Fertigkeiten fördern. Im normalen Kampf funktioniert das Glimmern im übrigen auch. Nach dem wiederholten Einsatz einer Waffe, lernen die Spielfiguren neue Attacken.
Nun zur letzten Spielfunktion – den taktischen Kriegen. Nun kommt es im Laufe der Handlung immer wieder vor, dass man gegen ein anderes Königreich in den Krieg zieht. Diese Kämpfe funktionieren wie die rudimentärste Blaupause von einem beliebigen japanischen Taktikrollenspiel eurer Wahl. Auf einem schachbrettartigen Feld zieht eure Armee über Felder, greift an oder wird angegriffen. Das lockert das Spielgeschehen auf, ist jetzt aber auch keine tiefgründige Offenbarung – im Übrigen: Erneut danke an Suikoden. Nun mal etwas weniger fies – das sind schöne adaptierte Ideen, die sich jedoch beide eher geringfügig zu Ende gedacht anfühlen.
Um den fiesen Vergleich mit Suikoden mal weiter auszuführen. Dort sind Duelle in nahezu jedem Fall ein wichtiger Punkt in der Handlung, der einen besonders dramatischen Kampf sehr schön inszeniert. SaGa Frontier macht aus diesem Element ein zufallsgeneriertes Spielelement, dass mit jedem einzelnen Gegner passieren kann. Hier ist die spielerische Tiefe im Zusammenspiel mit der Handlung etwas mangelhaft und insgesamt fühlt sich beides wie gezwungene Abwechslung an.
In den Dungeons selbst scheitert es weniger an optischer Abwechslung, aber so ziemlich an Abzweigungen. Während ich gestandene Fans des Genres über die linearen Gänge in Final Fantasy XIII weinen höre, empfehle ich, sich durch zwei bis drei Dungeons von den SaGa Frontier Spielen zu boxen und ihr wollt niemals wieder zu viele Abzweigungen. Letztere wären kein Problem, wenn sie schlüssig und nachvollziehbar im Level integriert wären. Der Konflikt besteht nicht darin, dass ich mal eine Weile für zwei Schatzkisten nach rechts laufe, sondern das ich eine Höhle betrete und nach langem Weg irgendwo wieder am Anfang des Dungeons stehe – und das im Schnitt bei drei von vier Pfaden. Ich wünschte ich könnte das etwas besser in Worte fassen, aber das ich mich bereits im ersten Dungeon dreimal verlaufe – gerade auch weil die Hintergründe nicht zwingend ersichtlich machen, wo ich denn noch entlanglaufen kann – ist das nicht so pralle für das Spieldesign. Ebenso ist die Charakterentwicklung immer noch viel zu kompliziert. Auch hier – ich habe nichts gegen fordernde Aspekte – wenn ich jedoch studieren muss, um das Spiel überhaupt erstmal richtig zu begreifen, ist es etwas zu viel des Guten.
Das sind meine beiden großen Abers – ABER ich mag SaGa Frontier 2 sehr gerne und ich empfinde das Remaster als sehr gelungen
Die Wertungen
Damit kommen wir dann zu den Wertungen.
Gameplay:
Das Kampfsystem ist flott und macht Spaß, die restlichen Spielelemente lassen zu Wünschen übrig
Sound:
Sehr schöne Klänge, habe nichts zu meckern
Grafik:
Der allegemeine Stil ist wunderschön, erschwert nur des Öfteren den Spielfluss in Dungeons
Geschichte:
Zwei Charaktere, zwei Handlungen, eine gelungene Geschichte
Das Fazit
SaGa Frontier 2 war und ist ein wirklich gutes Rollenspiel. Nicht alle Designentscheidungen sind toll und gerade die Dungeons haben ein unverkennbar schlechtes Streckendesign, trotzdem empfinde ich das Spiel als sehr gelungen. Nicht nur, war es ein sehr schöner Stilbruch, der vor allem in Sachen Optik, Geschichte und Musik begeistert, sondern mag ich auch das sehr flotte Kampfsystem, wenn auch das Duell und Kriegssystem mich eher langweilten und unnötig rausholten. Dafür steckt hier aber auch viel Herz drin, weswegen hier eine glasklare Empfehlung mit geringen Einschränkungen rausgeht. Manchmal geht es nunmal nicht, das perfekte Spiel zu gestalten, sondern eines das man auch trotz seiner offensichtlichen Schwächen gerne am Feierabend oder nach der Schule reinschmeißt und genießen kann.
SaGa Frontier 2 Remastered erschien am 27. März 2025 für Nintendo Switch, PlayStation 4/5, Xbox Series X/S, Android, iOS und PC via Steam
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